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Rheinische Post: Rheinquerung bei Leverkusen A1-Brückenhälfte wandert als Foto ins Rathaus

Von Monika Klein | 01.02.2026 · 11:59 Uhr

Leverkusen · Es ist ein Abschiedsgeschenk an seine langjährige Wahlheimat, auch wenn Foto-Künstler Michael Bork noch zu Besuch kommen wird. Sein Bild vom Neubau der A1-Brücke ist nun dauerhaft im Rathaus Leverkusen zu sehen.

Die Kisten waren bereits gepackt, der Möbelwagen für Freitag früh bestellt. An seinem letzten Tag in Leverkusen machte sich Michael Bork auf den Weg ins Rathaus. Nicht zum Einwohnermeldeamt, sondern direkt in die fünfte Etage, um eines seiner Bilder an Oberbürgermeister Stefan Hebbel zu übergeben. Als Dauerleihgabe, wie es offiziell im Vertrag heißt, den beide unterschrieben haben, damit alles seine Ordnung hat. Die Fotoarbeit zeigt die Leverkusener Brücke, so wie sie im September 2023 aussah, und ist damit schon historisch.

Damals stand noch der Pylon der vergleichsweise zierlichen alten Rheinbrücke, der heute spurlos verschwunden ist. Dahinter sieht man bereits den ersten neuen, noch in Christo-ähnlicher Verpackung, von dem es ja noch einen Zwilling geben wird. „Dieses Werk wird im Foyer des Rathauses einen würdigen Platz erhalten und dauerhaft an die künstlerische Handschrift Michael Borks erinnern“, versprach Stefan Hebbel, der genau diese Ansicht bei einer Ausstellung entdeckt und bewundert hatte. Er sieht darin nicht nur ein fotografisches Zeitdokument, sondern auch eine gewisse Symbolik. Es stehe für den Wandel der Zeit mit der vergleichsweisen bescheidenen Version, die auf das Verkehrsaufkommen der 1960er-Jahre ausgerichtet war und dem Beginn der deutlich tragfähigeren Variante für die Zukunft, die neue Aufgaben bringe.

Wenn er morgens ins OB-Büro komme, dann soll ihn der festgehaltene Brückentausch Kraft verleihen für die täglichen Aufgaben und Herausforderungen, die ihm manchmal auch Nerven wie Drahtseile abverlangen. „Das Alte muss dem Neuen weichen“, so lautet nicht nur der Titel der Fotoarbeit, es beschreibt auch Michael Borks persönliche Lebensveränderung. Für ihn rollt nun der legendäre „Sonderzug nach Pankow“, denn dort im Bezirk Weißensee wird er künftig mit seiner Frau wohnen. Endlich näher an den Kindern, dem fünfjährigen Enkel und der Schwiegermutter, die alle in Berlin und weiter im Osten leben. Darauf freut er sich, und doch fällt dem gebürtigen Düsseldorfer der Abschied nach 35 Jahren Leben und Arbeiten in Leverkusen nicht ganz leicht. Die Verbindungen werden bleiben, ist er sich sicher.

Auch als Berliner werde er weiterhin Mitglied der AG Leverkusener Künstler sein und mindestens zwei Mal pro Jahr zu den gesetzten Terminen anreisen: Kunstnacht und Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung. Mit der Fotoarbeit, die er hier hinterlasse, könne in Berlin niemand etwas anfangen. Wer kenne dort schon die Leverkusener Brücke? Dort werden sich mit Sicherheit genügend andere Motive finden für den gelernten Fotografen, der als Fotojournalist unter anderem für die Rheinische Post tätig war, bevor er sich im IT-Bereich fortbildete und für eine Unternehmensberatung arbeitete.

In dieser Funktion ist der 68-Jährige längst in Rente, aber er weiß: „Ein Künstler geht nie in den Ruhestand.“ Viele Jahre hat er auch elektronische Musik gemacht, inzwischen ist ihm die Kamera das wichtigste Medium. Seine Kompositionen sind Ausschnitte originaler Aufnahmen, zu denen er nichts hinzufügt, die er aber digital bearbeitet, etwa Verstärkung von Konturen oder Farbveränderung mit Filtern. In diesem Fall reduzierte er Farbe, fast bis zum Schwarz-Weiß-Bild, was die Wetterwolken bedrohlicher erscheinen lässt. Gedruckt wurde auf einer Alu-Dibond-Oberfläche, die alles plastischer erscheinen lässt.


Kölner Stadtanzeiger: Im Rathaus Leverkusen – Künstler verabschiedet sich mit Bild der Rheinbrücke aus der Heimat

Von Charlotte Breidohr | 01.02.2026, 12:01 Uhr

Nach 35 Jahren verlässt ein Fotokünstler Leverkusen. Aber nicht ohne ein öffentliches Vermächtnis zu hinterlassen.

Niemals geht man so ganz: Während im Rathaus Leverkusen ein freier Platz an der Wand für sein limitiertes Werk gesucht wird, ist Michael Bork (68) auf dem Weg in seine neue Heimat. Der ehemalige Journalist und Unternehmensberater hatte zuletzt als Fotokünstler in Leverkusen gearbeitet, war viele Jahre Mitglied der AG Leverkusener Künstler. Nach 35 Jahren zieht er nun gemeinsam mit seiner Frau zur Familie nach Berlin.

Doch nicht, ohne der Stadt ein künstlerisches Vermächtnis zu hinterlassen: Am Donnerstag übergab der 68-Jährige Oberbürgermeister Stefan Hebbel (CDU) ein 60 mal 80 Zentimeter großes Bild der Leverkusener Brücke im „Moment des Wandels“, das das Stadtoberhaupt zuvor auf einer Ausstellung bewundert hatte. Der passende Titel: „Das Alte muss dem Neuen weichen“.

Ein Bild für Gegenwart und Zukunft

„Für mich ist dieses Bild ein Zeitdokument. Es steht für das, was war, und für das, was uns in der Zukunft erwartet: Neue Aufgaben und Herausforderungen, für die man Nerven wie Drahtseile braucht“, interpretiert Oberbürgermeister Hebbel das auf zehn Exemplare limitierte Werk von Michael Bork. „Das Bild hat mich auf einer Ausstellung direkt angesprochen. Ich möchte jeden Tag daran erinnert werden, was meine täglichen Aufgaben sind. Es verleiht mir beim Betrachten Kraft“, so Hebbel. 

Zunächst hatte der Oberbürgermeister geplant, die rund 1,5 Kilogramm schwere Fotografie in seinem Büro aufzuhängen. „Das wäre aber zu schade, denn dort könnte ich es ja nur selbst bewundern. Also suchen wir einen öffentlich zugänglichen Platz“, erklärte Hebbel bei der Übergabe der Dauerleihgabe. Das Werk soll künftig im Foyer des Rathauses einen festen Platz erhalten. „Dieses Werk wird dort würdig präsentiert und dauerhaft an die künstlerische Handschrift Michael Borks erinnern“, sagte Hebbel.

Fotokunst mit plastischem Effekt

Das Motiv fotografierte Michael Bork im September 2023 von der „Wacht am Rhein“ aus mit einer Sony-Alpha-4-Kamera. „Es ist ein sehr realistisches Motiv. In meiner Fotokunst sehe ich zwar etwas durch den Sucher, aber das ist noch nicht die endgültige Bildkomposition. Die entsteht erst später durch die Bearbeitung am Computer“, erklärte Bork.

Dabei werde nichts koloriert oder hinzugefügt. „Meine Vision entsteht in der Nachbearbeitung“, so der Künstler. Den besonderen Effekt erhält das Werk durch den Druck auf Aluminium-Dibond, der dem Bild eine plastische Oberfläche und einen leichten 3D-Look verleiht. Helle und dunkle Farbkontraste verstärken die räumliche Wirkung. „Die Wahrnehmung ist Plastizität“, fasste Bork zusammen.

Ab dem 1. Februar 2026 soll das Exponat im Rathaus öffentlich zugänglich sein. Michael Bork bleibt auch nach seinem Umzug Mitglied der AG Leverkusener Künstler und ist weiterhin über seine Website erreichbar.