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Das Exponat der Woche

© Michael Bork | BOW WITHOUT BORDERS | Bösebrücke, Berlin, Mauerweg – 2026
Fotodirektdruck auf AluDibond | 80 x 120 cm | Preis und abweichende Größen auf Anfrage

Wie erleben Künstlerinnen und Künstler die Bösebrücke als einen Ort, an dem Geschichte in Bewegung übergeht? Und wie verwandelt sich dieses Erleben in eure künstlerische Sprache?

Wer die Brücke nicht kennt …

In den frühen Morgenstunden, wenn der Verkehr noch schläft und die Stadt nur leise atmet, steht die Bösebrücke wie ein alter Zeuge, der mehr gesehen hat, als er je erzählen könnte. Doch an manchen Tagen, so sagt man, flüstert sie. Es beginnt mit einem kaum hörbaren Summen, das aus den Stahlträgern steigt, wenn der Wind vom Prenzlauer Berg herüberweht. Wer genau hinhört, erkennt darin die Schritte der Menschen, die am 9. November 1989 über sie hinwegströmten. Erst zögerlich, dann unaufhaltsam, wie ein Fluss, der endlich sein Bett gefunden hat. Die Brücke erinnert sich an die Jahre davor: an die Suchenden, die Hoffenden, die Verzweifelten. An die Blicke, die über die Mauer hinweg tasteten, als könnten sie allein durch Sehnsucht Beton zum Bröckeln bringen. Sie erinnert sich an die Grenzer, die selbst Gefangene ihrer Befehle waren, und an die Nächte, in denen die Stadt zweigeteilt schlief, aber im Traum längst zusammengehörte. Heute ist die Bösebrücke Teil des Berliner Mauerwegs, und wer über sie geht, trägt unbewusst die Spuren all jener mit, die hier Geschichte geschrieben haben.

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