Zum Inhalt springen

🛠️ Frank Spillecke – Malerei zwischen Schichtung und Offenheit

Ohne Worte No.2
140 x 100 cm
Ölfarbe und Collage auf Leinwand

Das Werk von Frank Spillecke entzieht sich auf den ersten Blick einer eindeutigen stilistischen Verortung. Aber genau darin liegt seine eigentliche Qualität. Seine Malerei operiert im Spannungsfeld zwischen klassischer Bildauffassung und experimenteller Erweiterung der Fläche, zwischen materieller Präsenz und fragmentarischer Auflösung. Spillecke gehört zu jenen zeitgenössischen Künstlern, die weniger ein geschlossenes Œuvre im Sinne einer klar umrissenen Handschrift entwickeln, sondern vielmehr eine offene künstlerische Praxis verfolgen, die sich im Prozess selbst begründet.

Der Alptraum vom weißen Pferd
90 x 70 cm
Öl- und Acrylfarbe auf Leinwand

Im Zentrum seines Schaffens steht die Auseinandersetzung mit der Bildfläche als Ort der Verdichtung. Farbe ist dabei nicht bloß Mittel zur Darstellung, sondern eigenständiger Träger von Bedeutung. Sie wird geschichtet, überlagert, partiell wieder freigelegt. Ein Verfahren, das an archäologische Prozesse erinnert. Diese Arbeitsweise lässt sich als visuelles Denken verstehen: Das Bild entsteht nicht aus einer vorab festgelegten Idee, sondern entwickelt sich im Dialog zwischen Material, Geste und Entscheidung.

Roter Akt No.1
50x40cm
Acrylfarbe und verflüssigte Plaste auf Leinwand

Besonders prägnant ist Spilleckes Umgang mit collageartigen Elementen. Indem er unterschiedliche Materialien und Strukturen in seine Malerei integriert, erweitert er die klassische Leinwand zu einem hybriden Raum. Fragmente treten in Beziehung zueinander, erzeugen Brüche und Übergänge, die sich einer linearen Lesart entziehen. Die Collage fungiert hier nicht nur als Technik, sondern als konzeptuelles Prinzip: Sie ermöglicht das Nebeneinander heterogener Wirklichkeiten und verweist auf die Vielschichtigkeit visueller Erfahrung in der Gegenwart. Diese Offenheit spiegelt sich auch in der Bildsprache wider. Gegenständliche Anklänge scheinen bisweilen auf, werden jedoch nie eindeutig fixiert.

Musikalische Farbkomposition No.1
50x40cm
Kohle und Acrylfarbe auf Papier

Stattdessen bewegt sich Spilleckes Malerei in einem Zwischenbereich, in dem Figuration und Abstraktion ineinander übergehen. Der Betrachter ist gefordert, eigene Assoziationen zu entwickeln, Bedeutungen zu konstruieren und wieder zu verwerfen. In diesem Sinne sind die Arbeiten weniger als abgeschlossene Aussagen zu verstehen, sondern als Angebote zur Wahrnehmung und Interpretation. Ein weiterer Aspekt seines Werks ist die bewusste Einbindung kunsthistorischer Referenzen. Die Verwendung traditioneller Materialien und Techniken verweist auf ein tiefes Bewusstsein für die Geschichte der Malerei, ohne dabei in bloße Zitate zu verfallen.

Brandenburger Landschaft
40x50cm
Pastell auf Papier

Vielmehr werden diese Elemente transformiert und in einen zeitgenössischen Kontext überführt. Es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart, das die Arbeiten in einen größeren kunsthistorischen Diskurs einbettet. Auch Spilleckes Ausstellungspraxis unterstreicht seine Position innerhalb eines eher dialogischen Kunstverständnisses. Häufig in Gruppenausstellungen präsent, entwickelt sich seine Arbeit im Austausch mit anderen künstlerischen Positionen. Dieser Kontextualisierung kommt eine wichtige Rolle zu, da sie seine Werke als Teil eines größeren Netzwerks sichtbar macht, in dem individuelle Ansätze miteinander in Beziehung treten.

Abschiedstraum („6 Stunden“)
60×50
Öl- und Porzellanfarben mit Barockpigmenten auf Leinwand

Auffällig ist zudem die Zurückhaltung, mit der Spillecke sein Werk begleitet. Anstelle ausführlicher programmatischer Statements tritt eine bewusste Reduktion verbaler Rahmung. Diese Haltung lässt sich als Vertrauen in die Eigenständigkeit der Bilder lesen. Sie sollen nicht durch theoretische Überformung bestimmt werden, sondern unmittelbar wirken können. In einer Zeit, in der künstlerische Praxis oft eng mit diskursiver Selbstverortung verbunden ist, erscheint diese Entscheidung bemerkenswert.

Frank Spilleckes Malerei lässt sich somit als ein offenes System begreifen, das sich durch Prozesshaftigkeit, Materialität und Mehrdeutigkeit auszeichnet. Seine Arbeiten verweigern sich eindeutigen Zuschreibungen und eröffnen stattdessen Räume der Wahrnehmung, in denen sich Bedeutung immer wieder neu konstituiert. Gerade in dieser Unbestimmtheit liegt ihre Stärke: Sie fordert ein aktives Sehen und Denken und macht dadurch den Betrachter selbst zum Teil des künstlerischen Prozesses.

... nach oben

🟦 Künftige Ausstellungen (Upcoming)

  • Galerie Contemplor, Wien — Mai 2026
  • Galerie Smend, Köln — Mai 2026
  • Schloß Greiffenhorst, Krefeld — September 2026

🟧 Vergangene Ausstellungen (Recent)

2026

  • Dieter Jung und Frank Spillecke, Galerie Kornfeld, Berlin — Januar 2026
    Kuratiert von Dr. Tilman Treusch und Tereza de Arruda
    (Galerie Kornfeld & 68projects)

2025

  • Schloß Wickrath, Mönchengladbach — Oktober 2025
  • Galerie Kunstvoll, Oldenburg — August 2025

2023

  • Atelier Tegernsee, Tegernsee — September 2023
    (mit Herdin Radtke)

2022

  • Sandbauernhof, Korschenbroich — September 2022
    (mit Jürgen Heinze)

... nach oben

📬 Kontakt

... nach oben